Samstag, 26. Juli 2014

„Nobel Peace Prize“ for Israel’s Defense Forces (IDF)

Nobel Peace Prize for the IDF!
For the time being, the Israeli military machinery has killed  1049 Palestinians, 80 per cent civilians. This “brilliant performance” should be honored. According to Israel’s US ambassador Ron Derner, the Israeli military should be awarded a Nobel Peace Prize. Before a group of Christian fundamentalists, the ambassador said: “Some are shamelessly accusing Israel of genocide and would put us in the dock for war crimes. But the truth is that the Israel Defense Forces should be given (…) a Nobel Peace Prize for fighting with unimaginable restraint.” One could ask the Ambassador, how many victims would a fight has demanded so far without "unimaginable restraint"? 

The “most moral army in the world”, like the former Israeli defense minister Ehud Barak used to call his reckless soldiers, deserves the prize. Menachem Begin, Yasser Arafat, Shimon Peres, Henry Kissinger, Barack Obama and many other political thugs obtained the prize, why shouldn’t the IDF get it, too? So far, 43 Israeli soldiers lost their lives. According to the weird logic of the Israeli ambassador, one can ask, whether Hamas doesn’t deserve the other half of the price, because it has killed 43 Israeli soldiers, so far?

Matthias Matussek macht den Johannes R. Becher und Udo van Kampen trägt die Schleppe

Die politisch Mächtigen und ihre Hofschranzen!
Anbiederung und Hofschranzen-Journalismus hat es zu allen Zeiten und in allen politischen Systemen seitens der schreibenden Zunft gegeben. Im Gegensatz zu dieser journalistischen Liebedienerei waren die neuzeitlichen Hofnarren intelligente und intrigante Gesellen. Aber seit Johannes R. Bechers Lobgesängen auf Josef Stalin hat es in Deutschland keine solche Eloge wie die von Matthias Matussek auf eine amtierende Regierungschefin mehr gegeben. Ihm wäre es am liebsten, Merkel bliebe ewig Bundeskanzlerin; Rücktritt ausgeschlossen, da sie ja nicht Papst sei. Will der Sechzigjährige vielleicht noch unter einer „ewigen“ Kanzlerin Karriere machen? In Merkels Hofstaat tummeln sich schon genug Monstranzträger. 

An Peinlichkeit wird Matusseks Eloge nur noch durch den politischen Schleppenträger Udo van Kampen, ZDF-Korrespondent in Brüssel, überboten, der meinte, vor Beginn einer Pressekonferenz der Bundeskanzlerin ein Happy-Birthday-Ständchen zum 60. Geburtstag intonieren zu müssen. Für den Rest der versammelten Journalisten war diese Szene mehr als peinlich. Alle guckten betreten, und nur einer versuchte mitzusingen. Diese journalistische Glanzleistung verdient es, im jährlichen Jahresrückblick gewürdigt zu werden. Aber selbst eine Bundeskanzlerin kann sich ihre Gratulanten nicht aussuchen.

Udo van Kampens Kommentare aus Brüssel hören sich so an, als ob sie gerade von seinem ehemaligen Kollegen und jetzigen Pressseprecher der Kanzlerin, Steffen Seibert, verfasst worden sind. Auch die Pressesprecher der EU-Kommission oder die der unzähligen und unnützen Vizepräsidenten könnten es nicht besser machen. Braucht nicht Jean-Claude Juncker noch einen Propagandisten, um sein ramponiertes Image wieder aufzupolieren? 

Diese Art von Hofschranzen-Journalismus à la ZDF sollte wenigstens bei einem Steuer-finanzierten Sender zu personellen Konsequenzen führen, weil diese Art der „Berichterstattung“ auf der Grundlage von Zwangsgebühren erfolgt, gegen die man sich nicht wehren kann. Darüber hinaus macht seit kurzen auch das ZDF den ADAC. Spätestens jetzt sieht man auch mit dem „Zweiten“ nicht mehr besser!

Freitag, 25. Juli 2014

„Für Israels Recht auf Verteidigung“

Ein antideutscher Ideologe in der Neue Zürcher Zeitung?
Zunehmend kommen antideutsche und anti-islamische Ideologen auf der Debattenseite der "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) zu Wort, wenn es um die Meinungsmache um den Nahost-Konflikt geht. Seit dem Ausscheiden von Martin Woker als Chef des Ausland-Ressorts scheint ein Damm gebrochen zu sein. So konnte zum Beispiel Stephan Grigat - ein Vertreter dieser Richtung - in kürzester Zeit zweimal einen eher unterirdischen Kommentar zu diesem sehr komplexen Themenkomplex in der NZZ veröffentlichen. Dies scheint ein Indiz dafür zu sein, dass die NZZ zunehmend ins Fahrwasser extremistischer obskurer zionistischer Kräfte geraten ist. In Deutschland sind die Printmedien - und die "Staatsmedien" der Öffentlich-Rechtlichen sowieso - bereits unisono auf Pro-Israel-Kurs. Abweichende Meinungen, welche die Kriegsverbrechen der israelischen Kolonialmacht kritisieren, finden nur noch in Zeitungen statt, die für die öffentliche Meinungsbildung von geringer Bedeutung sind.  

Aufgrund dieses mehr als ärgerlichen und ideologischen Artikels habe ich folgenden Leserbrief am 22. Juli an die Redaktion der NZZ gesandt, der aber nicht veröffentlicht worden ist.

„Dieser Beitrag ist vom ersten bis zum letzten Satz eine Zumutung, ja er ist unterirdisch. Es handelt sich um Postulate, die von der antideutschen Ideologie inspiriert sind, zu deren Sympathisanten der Autor zählt. Ebenfalls ist er Mitbegründer der radikalen zionistischen Vorfeldorganisation „Stop The Bomb“ in Österreich, die sich durch die Dämonisierung des Iran auszeichnet. Dass sich solche Extremisten seit Neuestem in den Kommentarspalten der NZZ tummeln können, ist bemerkenswert. Von der großen Tradition der früheren Nahostberichterstattung der Hottingers, Kochers oder Wokers scheint sich die Zeitung verabschiedet zu haben.

Aus dem Sammelsurium von Behauptungen seien nur einige fragwürdige herausgenommen: So behauptet der Autor, Hamas und der Islamische Jihad würden mit ihrem „Raketenterror“ fortfahren, weil es ja angeblich mit ihnen „keinen Frieden“ geben könne, folglich sei Israel gezwungen, „gegen die Infrastruktur des Terrors vorzugehen“. Diese verquaste Sichtweise müsste erst einmal vom Kopf auf die Füße gestellt werden, um der Kausalität Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Da dies den Umfang eines Leserbriefes sprengen würde, sollen die Fakten in Sachen „Terror“ sprechen: 

Was augenblicklich im Gaza-Streifen stattfindet, ist kein Krieg, sondern ein Massaker seitens der israelischen Militärmaschinerie an der Zivilbevölkerung. Bis zum 22. Juli kamen über 600 Palästinenser ums Leben, 80 Prozent davon Zivilisten; 27 israelische Soldaten und zwei Zivilisten verloren ihr Leben. Bei dem Massaker der israelischen Armee um die Jahreswende 2008/09 kamen 1400 Palästinenser im Gaza-Streifen ums Leben; zwölf Israelis verloren ihr Leben, vier davon durch so genanntes friendly fire, d. h. sie wurden von eigenen Kameraden getötet. Der so genannte Raketenterror der Hamas gegen Israel hat bisher ein israelisches Opfer gefordert. Wer übt hier eigentlich „Raketenterror“ gegen wen aus? 

Die Behauptung, Hamas benutzte die Bevölkerung als „lebende Schutzschilde“ gegen die israelische Aggression, entbehrt jeglicher Grundlage, wie ein Beitrag in der britischen Tageszeitung „The Independent“ vom 22. Juli zeigt. Als „Wissenschaftler“ sollte Grigat kritischer gegenüber der israelischen Militärpropaganda sein. In der Aufzählung seiner Dämonisierungsszenarien darf natürlich die „Hamas-Charta“ nicht fehlen, in der es einige antisemitische Stereotypen gibt und in der es nur ein Palästina unter dem Islam, sprich ohne Israel geben soll. 

Jeder seriöse Kenner der Nahostszene weiß, dass die Hamas-Charta politische Ornamentik ist. Keiner der führenden Hamas-Politiker wagt es, sie noch zu erwähnen, so peinlich ist sie ihnen. Sie ist so irrelevant, wie weiland die PLO-Charta war, welche Israel über Jahrzehnte dazu diente, die PLO zu dämonisieren und jedes ihrer Friedensangebot vom Tisch zu wischen. Natürlich hat jeder Staat nach Völkerrecht ein „Recht auf Selbstverteidigung“. Aber hat nicht jedes Volk nach Völkerrecht ein Recht auf Widerstand, wenn es seit 47 Jahren kolonisiert, seines Landes beraubt und in „Freiluftgefängnissen“ gefangen gehalten und seiner elementaren Menschenrechte beraubt wird?“

Sonntag, 20. Juli 2014

Samstag, 19. Juli 2014

Christian Wulffs Charakterschwäche

Die "Wulffs" mit ihren "politischen" Freunden aus vermeintlich besseren Tagen.
Ein Ex-Bundespräsident läuft "Amok" und scheint es nicht zu merken. Damit bestätigt er alle politischen, moralischen und menschlichen Defizite, aufgrund derer er zurücktreten musste. Er mag zwar juristisch freigesprochen sein, sein menschliches, moralisches und politisches Versagen jedoch bleibt an ihm haften. Diesen Makel wird er auch durch seinen bizarren Werbeauftritt in München, auf dem der Ex-Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ ihm noch einmal seine Verfehlungen vorgehalten hat, auf die Wulff sehr, sehr kleinlaut reagiert hat, nicht los. Anstatt Wulff mit sich und seinen Defiziten ins Reine kommt, schlägt er wild auf die Presse ein. 

In seinem jüngsten Spiegel-Interview stilisiert er sich sogar zum „Opfer“ einer vermeintlichen Medienmacht. "Ich war einigen mächtigen Medienschaffenden zu unbequem geworden." Was hat Wulff eigentlich Unbequemes von sich gegeben, dass einige „Medienschaffende“ ihn partout weghaben wollten? Oder waren es nicht vielmehr die zahlreichen „Goodies“, die den Wulffs ihren „Hartz-IV-Status“ versüßen helfen sollten? Wie politisch naiv ist Wulff eigentlich, indem er „mangelnde Unterstützung seitens der Politik“ beklagt? Niemand innerhalb der politischen Klasse krümmt auch nur einen Finger um einen öffentlich Diskreditierten und politisch Angezählten. 

Wulff kann sich abstrampeln, wie er will, er ist als Politiker und Mensch völlig gescheitert. Er sollte sich ein Beispiel an seinem Vorgänger nehmen, der über die wirklichen Gründe seines Rücktritts immer noch schweigt. Horst Köhler hat Stil, und dies gehört zum Comment der politischen Klasse. Sein harmloses Interview im Deutschlandfunk war nur der oberflächliche Anlass, um einen charakterstarken Bundespräsidenten aus dem Amt zu mobben. Angeblich gab es eine politische Nötigung seitens der Regierung gegenüber dem Bundespräsidenten, ein Gesetz zur Rettung des maroden Euro zu unterschreiben, das er für verfassungswidrig hielt und aufgrund seines wirtschaftlichen Sachverstands vermutlich niemals unterzeichnet hätte. Der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler hat Horst Köhler mehrmals schriftlich aufgefordert, die wirklichen Gründe seines Rücktritts zu nennen. Vermutlich würden sie ein tatsächliches politisches Erdbeben auslösen, ganz im Gegensatz zu den peinlichen Petitessen der Wulff-Affäre. 

Das Spiegel-Interview von Wulff zeigt, dass er bis heute nicht die moralische Dimension seines „medial“ erzwungenen Rücktritts begriffen hat. Wer sich mit seiner exaltierten Gattin der Bild-Zeitung und anderen Boulevard-Blättern geradezu anbiedert und dem ausgebufften Chefredakteur eines schmuddeligen Blattes auch noch per Handy politisch droht, scheint das politische Geschäft, das er doch mit der Muttermilch aufgesogen haben sollte, immer noch nicht begriffen hat; für diesen politischen Dilettantismus kann es  für einen Ex-Bundespräsidenten schon gar kein „Sorry“ geben. In der Causa Wulff wurde zwar juristisch der Gerechtigkeit Genüge getan, aber politisches Mitleid kann der "Delinquent" nicht erwarten, weil es dies im politischen Geschäft nicht gibt. 

Wulff hält sich immer noch für den besseren Bundespräsidenten. Diese Haltung allein zeugt schon von seiner politischen Charakterschwäche und bestätigt alle Urteile über ihn. Niemand erinnert sich noch an sein so genanntes „Vermächtnis“ von der Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland, außer ihm vermutlich. Dagegen sind er und seine „Bobby-Car-Affäre“ im kollektiven Gedächtnis haften geblieben

Hamad Abdel-Samad verlässt Deutschland!

Want the "brave" fight Terrorism and Islamophobia in the US?
Der deutsch-ägyptische „Islamwissenschaftler“ Hamad Abdel-Samad will Deutschland verlassen, so meldeten es seine „Leib- und Magenblätter“ wie „Junge Freiheit“ und die islamophobe Website „pi-news“ . Da Abdel-Samads IslamkarikaturDer islamische Faschismus“ in den „seriösen“ Medien nicht verfängt, scheint er auf die neokonservative, nationale und rechte Szene zurückzugreifen, um seine unwissenschaftlichen und politisch motivierten Thesen zu verbreiten.

Wie schon in der Promotion des Buches eines psychisch derangierten Deutsch-Türken,  dessen Werk „Deutschland von Sinnen“ in diesen Medien wie eine neue Offenbarung gefeiert und beworben wird, kommt auch Abdel-Samad und vielleicht auch Akif Pirincci, obgleich bei letzterem Hopfen und Mals verloren zu sein scheint, auf den Boden der Realität zurück; die bundesrepublikanische Gesellschaft braucht sie nicht als Nationalismusverstärker. Die „Schweinsteigers“ können es einfach besser, und sie sind vor allem authentischer und nicht so pekuniär motiviert, da sie es nicht nötig haben. 

Wohin will der deutsch-ägyptische „Islamexperte“ auswandern? Das einzige übrig gebliebene Paradies für alle Islamophophen ist „The Land of the Free and the Home oft he Brave“, die Vereinigten Staaten von Amerika. Vielleicht gibt ihm dort der neokonservative „Think Tank“, American Enterprise Institute, eine pseudowissenschaftliche Bleibe wie weiland Ayaan Hirsi Ali, die politisch uninteressant geworden ist, als der "Mohr" seine politische Schuldigkeit (Native Informer) getan hatte. In diesem Institute versammelt sich das Reaktionärste, das die Vereinigten Staaten von Amerika zu bieten haben. Vielleicht kann ja dort sein zionistisch reaktionärer Kumpan als „desk clerk“ anheuern. So könnten beide dieses Mal auf US-Safari nach den neokonservativen Kriegstreibern gehen - allen voran George W. Bush samt seiner Gang -, vorausgesetzt, Fox-News oder einer der zionistisch dominierten US-Sender will sein Geld in diese Politclowns investieren; das US-amerikanische Publikum ist mehr als empfänglich für Primitives und Unterirdisches.

Die deutsche professionelle Islamwissenschaft weint diesem „Experten“ bestimmt keine Träne nach. Für die USA oder welches Land auch immer, vielleicht sogar Iran, Ägypten, Libyen, Jemen oder Somalia, wäre Abdel-Samad und sein Anhang in der Tat eine Bereicherung, damit diese Länder endlich über die "Wirklichkeit" ihrer Religion aufgeklärt würden.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Comprendre l'état d'Israël : Idéologie, religion et société

Die wirklich langfristige Gefahr für die Existenz des Staates Israel geht nicht von den Palästinensern aus, wie dies kürzlich der Chef des Mossad, Tamir Pardo, behauptete, sondern von den rechtgläubigen, orthodoxen Juden, für die der Zionismus, obgleich politisch relativ erfolgreich, eine Häresie am Judentum darstellt. Für die Aufarbeitung dieses Themas gibt es keinen kompetenteren Kenner als Yakov Rabkin, Professor für Geschichte, Jüdische Zeitgeschichte und Wissenschaftsgeschichte an der Universität von Montreal. 

Wie bedeutsam die existentielle Gefahr für den Staat Israel von innen immer noch ist, hat der Autor in dem Buch „A Threat from Within: A Century of Jewish Opposition to Zionism“ überzeugend dargestellt. Trotz Stigmatisierung jeglicher Kritik an der Politik des Staates Israel als „Antisemitismus“ oder „jüdischer Selbsthass“ hat der jüdische Widerstand gegen den Zionismus eine bemerkenswerte Ausdauer erwiesen. Wie es scheint, wird dieser Widerstand solange andauern, wie das „zionistische Unternehmen“ (Zionist Enterprise) im „Heiligen Land“ andauert. Ob die Werte des Judentums wie „Frieden“ oder „friedlicher Ausgleich mit den Nachbarstaaten“ gegenüber zionistischen „Werten“ wie „Eroberung“, „Unterdrückung“ und „Militarismus“ obsiegen werden, bleibt eine offene Frage. 

Anknüpfend an frühere Überlegungen geht der Autor in seinem jüngsten Werk den Fragen nach, wie der Staat Israel zu verstehen ist. Liegen seine Wurzeln in der Bibel, in der Geschichte des Russischen Reiches, im europäischen Antisemitismus oder in den Gräueltaten des NS-Völkermords? Obgleich eine übermächtige Regionalmacht mit Atomraketen, ist Israels Legitimität innerhalb der Judenheit bis heute umstritten. Rabkin zeigt den Lesern/innen die Widersprüche und den tiefen Bruch auf, den der Zionismus in der jüdischen Tradition verursacht hat. Ein Staat, dessen politische Elite sich weigert, dessen Grenzen zu definieren, sich um die Achtung des Völkerrechts nicht kümmert, dessen Fundament auf der Vertreibung Hunderttausender beruht und allen Juden auf der Welt gehören soll, hat in der Tat ein Legitimitätsproblem jenseits der Kontroverse zwischen Zionismus und Judentum. Alle diese Probleme werden vom Autor kritisch unter die Lupe genommen.

In neun Kapitel untersucht der Autor die Grundlagen und das Selbstverständnis des Staates Israel. In der Einleitung benennt Rabkin die zentralen Probleme des Landes: So werfen die Entstehung und die Legitimität Israels in der zionistischen Ideologie grundlegende Fragen nach der Gleichheit vor dem Recht und der politischen Rationalität auf. Charakteristisch sei weiterhin, dass es Israels politische Klasse bis heute vermieden habe, die Grenzen des Staates zu definieren. „Die territoriale Expansion ist seither ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte des Landes.“ Die kontinuierliche Kolonisierung werde u. a. mit dem zionistischen Prinzip der „getrennten Entwicklung“ begründet, dem auch der Jüdische Nationalfonds“ (JNF) folge, der im „Namen des Jüdischen Volkes“ handele.

Der Autor weist weiterhin auf die enorme wirtschaftliche Leistungskraft und die Prosperität Israels im Gegensatz zu seinen arabischen Nachbarstaaten hin, von der Kluft zwischen den Palästinensern in den besetzten Gebieten oder den arabischen Israelis ganz zu schweigen, die Bürger zweiter Klasse sind. Hinzu komme „ein leistungsfähiger militärisch-industrieller Komplex, der anspruchsvolle nukleare und konventionelle Waffen produziert, um sicherzustellen, dass keine Armee oder eine Koalition von Armeen glaubwürdig eine Bedrohung für Israels beherrschende Stellung in der Region“ darstellen könne. Trotz aller Menschenrechts- und Völkerrechtsverstöße könne sich Israel auf die „unerschütterliche Unterstützung“ der westlichen Politeliten verlassen, was sich auch darin zeige, dass Israel trotz des Massakers 2008/09 an der Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens, bei dem zirka 1 400 Zivilisten ums Leben kamen, in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufgenommen worden sei. 

Darüber hinaus verleihe Israels Selbstdefinition als eines „jüdischen Staates“ eine erneute Legitimität von der Vorstellung einer „ethnischen Exklusivität“, die im Widerspruch zur Logik der Entkolonialisierung stehe, aber dabei eine erneute Rechtfertigung für die westlichen Mächte liefere, die Region wieder zu kolonisieren. Israels Stilisierung „als Bollwerk des Westens gegen eine vermeintliche Bedrohung durch den Islam“ sichere dem Land zusätzliche Unterstützung. Gegenüber dem Schutz westlicher Interessen sei „die Schuld über den Nazi-Völkermord“ als ein Grund für die bedingungslose Unterstützung israelischer Politik durch den Westen dagegen in den Hintergrund getreten. 

Yakov Rabkin betont auch die zentrale Rolle des Nationalismus für die Gründung Israels. „Der Nationalismus, der Israel geschaffen hat, ist europäisch, erzeugt durch die Europäer, um die ´Judenfrage` zu lösen, die ein europäisches Problem war.“ Der Autor untersucht die Haltung der konservativen Protestanten in Großbritannien und den USA, die gewisse Passagen der Briefe des Apostel Paulus an die Römer dahingehend interpretierten, um die „die Hebräer“ in Palästina „einzusammeln“. Diese Interpretation beeinflusste besonders stark die Haltung in denjenigen englischsprachigen Ländern mit einer starken antisemitischen Neigung, die ihre jüdischen Mitbürger los werden wollten. Diese Haltung widerspiegelte sich auch in Balfour-Erklärung. 

Neben den „traumatischen Erinnerungen“ an die Pogrome im zaristischen Russland, bestimme der Völkermord der Nazis, der von „Europäern an Europäern“ verübt worden sei, das Schicksal Palästinas bis heute. „Die Gewalt, die die Region seit mehr als einem Jahrhundert heimgesucht hat, ist in der kollektiven Erinnerung der jüdischen Opferrolle in Europa verwurzelt.“ Der Zusammenbruch von vier europäischen Imperien nach dem ersten Weltkrieg habe die nationalistischen Gefühle verstärkt, so der Autor. Im Zuge der Gründung neuer Nationalstaaten im Osten Europas sahen die Briten in der Förderung einer „Jüdischen Heimstätte in Palästina“ sogar die Möglichkeit, ihr Imperium auszudehnen. „In diesem Sinne kann der Zionismus als eine Variante des europäischen Kolonialismus gesehen werden.“ 

Der Autor vertritt eine provokante These; salopp formuliert, lautet sie: Bevor der Zionismus jüdisch wurde, war er christlich! Die Konzentration von Juden im „Heiligen Land“ geisterte in den Köpfen von Christen in Europa herum, um die Ankunft des „Messias“ zu beschleunigen. Diese Tatsache erklärt, warum die Unterstützung des Zionismus durch Christen in den USA und unter evangelikalen Gruppen so groß ist. Während spirituell das „Land Israel“ zentral für die jüdische Tradition sei, warnt dieselbe Tradition auch gegen jede Massenmigration, geschweige denn, die Anwendung von Gewalt, um sie zu erreichen, bevor der Ankunft des Messias. Die gewaltsame Gründung eines jüdischen Staates durch den Zionismus bedeutete einen scharfen Bruch mit der jüdischen Tradition und Kontinuität, schreibt Rabkin. 

Abschließend sei noch eine bizarre Petitesse am Rande erwähnt. Sie zeigt, wie zionistische Ideologen partout eine Verbindung zwischen ihrer völkerrechtswidrigen Kolonisierung und ihren „historischen“ Ansprüchen auf Palästina herleiten wollen. Rabkin erwähnt zu Recht immer wieder die historische Verbundenheit zwischen dem Judentum und dem „Heiligen Land“. Aber was die zionistische Ideologie daraus gemacht hat, ist politisches Mimikry. So versuchte Israels Ministerpräsident Benyamin Netanyahu in einer Rede vor dem US-amerikanischen Kongress den Abgeordneten den zionistischen Anspruch auf Palästina dadurch weißzumachen, indem er ihnen einen antiken Ring präsentierte, auf dem die Inschrift „Netanyahu“ zu lesen gewesen sein soll. „Das ist mein Name“, und er schlussfolgerte daraus, „dass die Beziehung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel nicht mehr geleugnet werden kann“. Dass die US-Abgeordneten bei dieser Klein-Fritzchen-Logik aus dem Häuschen waren, ist verständlich. Netanyahu vergaß jedoch, den Abgeordneten zu erzählen, dass der wirkliche Name seiner Eltern „Mileikowsky” war, bevor er hebräisiert worden ist! 

Mit diesem Buch wird den Lesern eine nicht-zionistische, sprich jüdische Lesart der komplexen israelischen Geschichte geboten. Es sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der in den internationalen Beziehungen, dem israelisch-palästinensischen Konflikt, den Beziehung zwischen Politik und Religion sowie Identitätsfragen mitreden möchte. Eine Übersetzung ins Deutsche ist dringend geboten, damit auch die deutschen Leser und Leserinnen auf der Höhe der Zeit sind und erfahren, wie über die mit Israel zusammenhängen Fragen anspruchsvoll und ohne „Denkbarrieren“ diskutiert und gedacht wird. Rabkins Darstellung hebt sich positiv von den unzähligen nationalistischen Geschichtsversionen seiner zionistischen Kollegen ab. Er möchte zeigen, dass es sich beim Staat Israel um einen modernen und ganz normalen Nationalstaat handelt, dessen Regierung an ihren Taten und Worte gemessen werden sollte und nicht aufgrund von „biblischen Geschichten“ oder sonstigen historischen und intellektuellen Traumbildern.

Erstveröffentlichung hier.

Erschienen hier.